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Gregor Schlierenzauer _ in der Anlaufspur zum Erfolg

Gregor Schlierenzauer _ in der Anlaufspur zum Erfolg / Foto: Parigger

Anders Jacobsen

Anders Jacobsen / Foto: Parigger

Da jubelt selbst der Bundespräsident – Heinz Fischer als Springerfan

Da jubelt selbst der Bundespräsident – Heinz Fischer als Springerfan
Foto: Parigger

Thomas Morgenstern

Thomas Morgenstern / Foto: Parigger

Schlierenzauer – die neue Dimension im Skispringen

Achtung, die jungen Wilden kommen, die jungen Österreicher! Mit dieser „Warnung“ durch die Konkurrenz starteten die ÖSV-Adler in die imageträchtige Springertournee, alles wartete gespannt, ob denn die Schützlinge des Alex Pointner der Nervenbelastung in dieser traditionsreichen Veranstaltung standhalten würden können. Die Antwort fiel deutlich aus – sie konnten! Nicht zuletzt dank der sensationellen Vorstellung von Gregor Schlierenzauer, der sich mit einer eindrucksvollen Leistung das Eröffnungsspringen in Oberstdorf gekrallt hatte. Völlig losgelöst war der Stubaier seinen Gegnern auf und davon geflogen und die Unbekümmertheit des jugendlichen Draufgängers war auch ausschlaggebend dafür, dass nach dem Skandalspringen von Garmisch der Tour-Tross mit einer österreichischen Führung nach Innsbruck wechselte, zur dritten Station der Tournee. Der Teenager hatte im bayerischen Schnürlregen die Nerven behalten, war in Durchgang eins auf Rang eins gesegelt, ehe Renndirektor Walter Hofer das Neujahrsspringen hatte abbrechen müssen.

 

Regen, eine Waschrumpel als Anlaufspur und Windböen um fünf Meter pro Sekunde – da war ganz einfach die Sicherheit nicht mehr gegeben. Eine Entscheidung, die auch Österreichs Sportdirektor Toni Innauer für richtig erachtete: „Es waren tatsächlich fürchterliche Bedingungen, unter denen wir die Springer herunterlassen mussten.“ Verständlich daher, dass sich zum Beispiel der Fieberbrunner Andreas Widhölzl über die Windlotterie ärgerte, während Vornamenskollege Küttel nur jubelte. Auch verständlich, denn der Schweizer erfuhr von seinem vierten Weltcupsieg, dem ersten Tournee-Tagessieg der Schweiz seit 29 Jahren, im Umkleideraum: „Ich hatte gute Verhältnisse. Aber die muss man auch erst mal nutzen.“

 

Matti Hautamäki aus Finnland und der 34-jährige Tournee-Senior Noriaki Kasai aus Japan waren dem 27-jährigen Andreas Küttel im ersten Durchgang dicht auf den Fersen, gefolgt von einem unerschrockenen Gregor Schlierenzauer, der sich trotz der widrigen Verhältnisse wie ein alter Routinier verhielt. „Dennoch – der Abbruch war die richtige Entscheidung“, meinte auch der Oberstdorf-Sieger und „wie ein Sieg“ war dieses Resultat für Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner: „Gregor hat in einer kritischen Situation die Nerven behalten und nichts auf seine Konkurrenten verloren.“

 

Im Schatten des neuen Jungstars punkteten die übrigen Österreicher: Andreas Kofler (9.), Thomas Morgenstern (11.), Martin Höllwarth (25.), Martin Koch (27.) und Wolfgang Loitzl (29.) hielten Rot-Weiß-Rot in der Nationenwertung vorne.

 

Die Vorzeichen zur einer spannenden Schlacht am Bergisel in Innsbruck hätten also besser nicht sein können, doch auch vor dem dritten Bewerb dominierte die bange Frage: Würde das Wetter halten oder erneut Spielverderber sein? Die Ant- wort gab in einem fast voll besetzten Bergisel – der Wind!

 

Ausgerechnet dem Lokalmatador aus dem Stubai war die Windsbraut nicht gesonnen und so rückte der Senkrechtstarter mit Platz elf in seinem „Heimspiel“ aus dem Rampenlicht, musste Gregor Platz machen für ein entfesseltes Trio, bestehend aus dem Norweger Anders Jacobsen, dem Schweizer Simon Ammann und dem Österreicher Thomas Morgenstern. Der Dreikampf faszinierte die Massen, 21.000 sorgten für einen Hexenkessel und Gänsehautstimmung. Die Fans skandierten in Orkanstärke ein unglaubliches „Mooorgi“. Anfahrt mit 91,8 km/h, Absprung, Rückenwind. Doch der störte Thomas Morgenstern nicht im Geringsten. Seinen 128,5 Metern im ersten Durchgang ließ er 129,5 folgen, der Olympiasieger führte. Und wäre nicht Anders Jacobsen gewesen, der ohne das Talent-Auge seines Cheftrainers Mika Kojonkoski wohl noch immer Wasserrohre verlegen würde, hätte der Kärntner wohl auch gewonnen. Morgensterns Trauer über Platz zwei (1,1 Punkte Rückstand oder 61 Zentimeter Weite) hielt sich in Grenzen: „Ich stehe wieder da, wo ich hingehöre.“

 

Jacobsen, der 21-jährige Norweger vom Ringkollen Skiklubb, ließ einen Satz auf 128,5 Meter folgen – und gewann. Dass er damit in der Tournee voranliegt, wollte er vor dem vierten Wettkampf in Bischofshofen nicht überbewerten, zu Innsbruck fiel ihm nur ein: „Es war ein guter Tag.“

 

Doch wo blieb Gregor Schlierenzauer? Der Rückenwind verblies den Stubaier auf Platz elf, mit 122 und 119 Metern betrieb der 16-Jährige noch professionelle Schadensbegrenzung: „Ein bisschen ärgert man sich bei dem tollen Publikum, aber jetzt heißt es: nach vorne schauen.“ Cheftrainer Alexander Pointner und Sportdirektor Toni Innauer konnten ihm nur beipflichten, doch man hatte auch Grund zur Freude: Martin mitten in die Weltklasse, das ewige Talent Manuel Fettner (9.) schloss an seine erste Tournee an, Andreas Kofler (13.) und Wolfgang Loitzl (14.) komplettierten das Resultat. Blieb noch Mario Innauer, der 17-jährige Sohn des Sportdirektors, den der Papa nach Rang 16 über den grünen Klee lobte: „Beeindruckend, welche Reife er zeigte.“ Die Gründe für seine weiten Sätze kamen aus dem Mund von Mario wie aus der Pistole geschossen: „Weit springen ist einfach geil!“

 

Das dachte sich vor dem großen Finale auch Schlierenzauer. Geburtstag stand auf dem Programm und das vierte Springen der Tournee – und wie feiert ein junger Skispringer seinen 17. standesgemäß? Erraten, mit einem Weltcupsieg. Mit seinem vierten!

 

„Ich war ordentlich nervös“, gestand Anders Jacobsen vor seinem zweiten Durchgang in Bischofshofen. Den Tourneesieg vor Augen wackelten dem 21-jährigen Norweger noch einmal die Knie. Doch der Gewinner des Bergisel-Springens blieb cool, er flog auf 142,5 Meter und damit auf Platz zwei in Bischofshofen und wurde damit auch verdienter Tourneesieger – er war den Tränen nahe.

 

Gregor Schlierenzauer, Führender nach dem ersten Durchgang, hätte am Tag seines 17. Geburtstags schon acht Meter Vorsprung gebraucht, um die Sprungserie noch zu gewinnen. Die 22.000 Zuschauer am Rande der Paul-Ausserleitner- Schanze trugen ihren „Schlieri“ auf Händen. Und wenn alles läuft, kommt selbst eine Beinhautentzündung nicht ungelegen. Damit begründete Schlieri seinen Verzicht auf Training und Qualifikation: „Zum Energiesparen. Und ein bisschen Taktieren war auch dabei.“ Mit 139,5 und 141 Metern gewann der Tiroler schließlich vor Jacobsen und Simon Ammann aus der Schweiz. Was selbst Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller zum Staunen brachte („Wahnsinn, so jung!“), Schlierenzauer selbst blieb nach außen hin ein Eisblock: „Gewaltig, wenn man am Geburtstag seine Leistung abrufen kann.“ Da geriet natürlich selbst Österreichs Sportdirektor Toni Innauer ins Schwärmen: „Wir sind hin und weg. Seine Leistung ist bizarr!“ Und Olympiasieger Thomas Morgenstern, gestern Fünfter, verneigte sich auf seine Art: „Schön, wenn man sich am momentan weltbesten Springer orientieren kann.“

 

Es war jedoch nicht nur der Tag des Gregor Schlierenzauer, es war der des ÖSV-Teams: 13 von 14 für das Finale qualifiziert, alle mit einem Spitzenplatz im Visier. Das galt etwa für Arthur Pauli, Schlierenzauers Schulkollegen in Stams. Während der Klassensprecher gewann, jubelte der Außerferner in seinem zweiten Weltcup-Springen über Platz sechs: „Unvorstellbar, wie nervös ich war.“ Mario Innauer, ebenfalls zarte 17, hätte vor lauter Aggression „am liebsten Muhammad Ali k.o. geschlagen“. Platz 15 entsprach nicht seinem Geschmack. Und last, but not least kam nach 657 Tagen auch eine andere Geschichte zum Happy-End: So lange hatte der Innsbrucker Florian Liegl nämlich warten müssen, ehe er sich neuerlich Weltcup-Punkte sichern konnte.

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