All in – Hirscher deckte Ass auf


Hirscher in Adelboden zwischen Himmel und Hölle / Foto: GEPA

Zu den Poker-Assen im Weltcup-Zirkus zählten andere: Leute wie Rainer Schönfelder oder Jens Byggmark, auch Andre Myhrer sagt man am Kartentisch Qualität nach. Ex-Skistar Johan Brolenius soll in diesem Genre gar mehr verdienen als seinerzeit im Weltcup. Marcel Hirscher indes münzt schlichtweg Pokerstrategien auf seine Fahrweise um – im Slalom von Adelboden war ihm auch nichts anderes übrig geblieben. Mit Platz acht nach Durchgang eins hatte sich der Annaberger zunächst in der ungewohnten Rolle des Jägers wiedergefunden.

Und wie erklärte sich der 23-Jährige seinen Husarenritt in Durchgang zwei? „Hosen runter und gib ihm. Da gibt es kein Taktieren, kein Denken an Punkte. Hopp oder tropp. Schnick-schnack-schnuck“, erzählte Hirscher den Journalisten. Sozusagen all in, bediente sich der Weltcup-Gesamtführende eines geläufigen Ausdrucks aus der Pokerszene.

Und der Salzburger zog umgehend Parallelen zum Riesentorlauf am Chuenisbärgli, wo er mit derselben Alles-oder-nichts-Taktik denkbar unglücklich gescheitert war: „Da bin ich bestraft und diesmal belohnt worden.“ Dass er damit selbst die Schweizer Skilegende Bernhard Russi eines Besseren belehrte – der Fernsehexperte hatte ihn zur Pause bereits abgeschrieben –, kostete ihn ein Lächeln. Und motivierte ihn: „Ich habe es zwischen den Durchgängen im Hotelzimmer gesehen.“

Zu Unrecht im Schatten stand die Leistung des Zweitplatzierten, des Flirschers Mario Matt. Für den 33-Jährigen war es bereits das neunte Top-sieben-Ergebnis in Adelboden, sein WM-Ticket dürfte er damit in der Tasche haben. Unschlagbar sei Marcel Hirscher jedenfalls nicht: „Im ersten Durchgang hat man gesehen, dass auch er keine Maschine ist.“