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„Ich hab Zeit. Wir warten auf Wind“ / Hussl

„Ich hab' Zeit. Wir warten auf Wind“ / Hussl

Tokio-Countdown startete am Bodensee

„Ich hab Zeit. Wir warten auf Wind“, sagte David Hussl und lächelt in die Aprilsonne. Trotz Flaute könnte die Stimmung im Bregenzer Yachthafen kaum besser sein. Was fehlte, war eigentlich nur noch eine kräftige Brise. Denn: Wehe, wenn sie losgelassen. Nach coronabedingter Zwangspause durften der Tiroler Vorschoter und sein Vorarlberger 49er-Steuermann Benjamin Bildstein endlich wieder trainieren. Ein cooles und befreiendes Gefühl. „Einfach schön, wenn dir wieder Wind um die Nase weht, auch wenn so manche Automatismen ein bisserl eingerostet waren. Aber von Minute zu Minute wurde alles vertrauter.“

 

Wie zuletzt vor ziemlich genau zwei Jahren startete das Duo auch heuer wieder am Bodensee. Damals läutete man nach Bildsteins zweiter Schulteroperation das Vorhaben Olympia-Qualifikation ein. Ein Planspiel, das bei der WM 2018 in Aarhus mit Rang 33 erst einmal ordentlich „versenkt“ worden war.

 

Rückblickend betrachtet nicht unbedingt das Schlechteste, wie Hussl nunmehr versicherte: „Einerseits wäre eine vorzeitige Olympia-Qualifikation toll gewesen, weil du dich dann noch früher und zielgerichteter vorbereiten kannst. Andererseits waren wir so gezwungen, einiges zu hinterfragen, neue Wege einzuschlagen, mussten noch mehr Gas geben und ich getraue mich zu sagen, wir sind inzwischen gefestigter denn je.“ Worte, die von der gegenwärtigen Spitzenposition in der Weltrangliste nachdrücklich untermauert werden.

 

Seit Dezember 2019, seit dem sechsten WM-Platz vor Auckland in Neuseeland, ist das Olympia-Ticket jedenfalls in trockenen Tüchern. Und spätestens nach Rang vier drei Monate später bei der WM im australischen Geloong, als man bis zur finalen Wettfahrt die Gesamtwertung anführte, ist der Fokus verstärkt auf das eine Autostunde von Tokios Randbezirken entfernte Segelrevier Enoshima gerichtet. „Aber“, schränkte Hussl ein, „wir wollen flexibel bleiben.“ Quasi ein Gebot der Stunde, schließlich wusste in diesen Tagen noch keiner, wann die Grenzen wieder aufgehen würden.

 

Also wurde auf dem Bodensee geübt. Auch wenn das Binnengewässer am Dreiländereck herzlich wenig mit dem wellenreichen, von Strömungen geprägten Olympia-Revier gemein hat, machen die Trainingseinheiten durchaus Sinn. „Wir wollen ganz einfach so breit wie möglich aufgestellt sein. Und noch ist ja der Olympia-Hafen geschlossen, sodass selbst die japanischen Boote zuletzt nicht trainieren konnten.“

 

Langweilig wurde Hussl auch in den vergangenen Monaten nicht. Abgesehen von Kraft- und Konditionseinheiten galt es unter anderem die Terrasse im Elternhaus in Terfens umzubauen – nicht ohne die tatkräftige Mithilfe von Bruder Raphael, der als HTL-Absolvent (Innenarchitektur und Holzdesign) die Richtung vorgab. Wie gewissermaßen auch dieser Tage am Bodensee. Weil der kroatische Teamcoach Ivan Bulaja nicht ausreisen durfte, sprang eben der Bruder als „Mann für viele Fälle“ in die Bresche. Auch als Fotograf.

 

 

 

 

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