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Gerhard Bergers zufriedener Blick zurück auf eine faszinierende Karriere in der Formel 1 / De Moor

Gerhard Bergers zufriedener Blick zurück auf eine faszinierende Karriere in der Formel 1 / De Moor

Hockenheim 1997 – der 10. und letzte Sieg Bergers vor Schumacher und Häkkinen / imago

Hockenheim 1997 – der 10. und letzte Sieg Bergers vor Schumacher und Häkkinen / imago

Fred Steinacher im Gespräch mit Gerhard Berger nach dessen Horrorunfall in Imola / privat

Fred Steinacher im Gespräch mit Ger-hard Berger nach dessen Horrorunfall in Imola / privat

60 Jahre – und zu Hause ist es doch am schönsten

Gerhard Berger ist 60! Er war der letzte Formel-1-Pilot, den Enzo Ferrari 1986 persönlich für die Scuderia ausgewählt hatte; er hat die wilden Jahre der Formel 1 überlebt, nur der sportliche WM-Titel fehlt in der Karriere des Tirolers. Nach Jahrzehnten in Monaco lebt er nun mit seiner Familie in Söll.

 

An seinem Ehrentag gestattete der Jubilar „sehr gerne“ einen Blick zurück auf sein intensives Leben, vor allem im Motorsport. Denn Berger fuhr zwischen 1984 und 1997 nicht nur in der „geilsten“ Zeit der Formel 1, der am 27. August 1959 in Wörgl geborene Tiroler wuchs auch in einem Jahrzehnt auf, in dem – nach heutigen Maßstäben – unvorstellbare Dinge möglich waren.

 

Schmunzelnd meint Berger: „Es war irgendwie ein wenig wie im Wilden Westen. Statt der Pferde hatten wir halt Mopeds oder Motorräder.“ Die Eltern hätten ihn abwechselnd vom Krankenhaus oder der Polizei abholen müssen: „Ich habe alles gemacht, was Gott verboten hat.“

 

Der ausgebliebene WM-Titel ist für Berger lediglich ein Schönheitsfehler. Als Grund gesteht er ganz ehrlich: „Ich war einfach nicht gut genug. Das kann man nicht beziehen auf einzelne Faktoren, ob ich nicht schnell oder clever oder risikofreudig genug war. Diese Komponenten waren bei mir sehr ausgeprägt. Am Ende des Tages war ich einfach nicht diszipliniert genug, habe nicht genug daran gearbeitet. Es gibt keine weiteren Erklärungen.“

 

Ganz schnell hatte Bergers Karriere auch finanziell Dimensionen erreicht, die einen Umzug ins Steuerparadies Monaco sinnvoll machten – Privatflugzeug und Jacht inklusive. Heute ist er froh, alles verkauft zu haben und wieder in den heimatlichen Bergen und in einem Land mit vier Jahreszeiten zu leben. „Ich gehöre eher in die Berge und nicht ans Meer“, versichert Berger in seinem Haus, das in Hoch-Söll direkt an der Skipiste liegt. Die jüngsten Kinder Ella (fünf) und Johan (zwei), die Berger mit Lebensgefährtin Helene hat, nutzen das begeistert.

 

Berger privat? „Ich wurde einmal gefragt, was das beste Investment meines Lebens war. Ich habe gesagt, eigentlich meine Kinder. Sie tragen meine Gene weiter und führen mich in die nächste Generation. Kinder sind das, was am Ende von dir übrig bleibt. Dass man mit ihnen liebevoll umgeht, habe ich von meinen Eltern gelernt.“

 

Berger ist mit 60 offenbar auch so weit, seine Erfolge angemessen wertzuschätzen. So hat er seine Siegestrophäen zusammengeholt und im Wohnhaus aufgestellt. Allerdings nicht um Eitelkeiten zu huldigen. „Sie wecken schöne Erinnerungen an tolle Rennen. Etwa jenes in Adelaide 1987, mein wahrscheinlich bestes Rennen überhaupt. Mittlerweile bin ich stolz darauf“, sagt Berger, der auch seinen geschwärzten Helm vom Imola-Feuerinferno aufbewahrt hat.

 

Vom gemütlichen Büro aus hat er einen großartigen Panoramablick bis hinüber zum Wilden Kaiser. Der Hausherr selbst ist ruhiger geworden. Aber nicht rastloser. Der Mann, der zurück in den Heimathafen gefunden hat, lebt weiter für den Motorsport. Als Chef der DTM (Deutsche Tourenwagen Meisterschaft).

 

„In die DTM bin ich gegangen, weil ich mir nach meiner Rückkehr nach Österreich die Formel 1 nicht mehr antun wollte. Und dann habe ich mich in die DTM verliebt. Eine tolle Plattform“, erklärt Berger, der zudem mit seinem Fahrzeugtechnikbetrieb und dem Logistikunternehmen sowie der Familie ausgelastet ist.

 

Bergers Karriere in Zahlen

– GP-Debüt: 19. August 1984 auf dem Österreichring (12.)

– GP-Rennen bestritten: 210

– Letztes GP-Rennen: 26. Oktober 1997 in Jerez de la Frontera (GP von Europa, Platz 4)

– GP-Siege: 10 (1986 Mexiko-Stadt); 1987 Japan (Suzuka); 1987 Australien (Adelaide); 1988 Italien (Monza); 1989 Portugal (Estoril); 1991 Japan (Suzuka); 1992 Kanada (Montreal); Australien (Adelaide); 1994 Deutschland (Hockenheim); 1997 Deutschland (Hockenheim)

– Polepositions: 12

– Schnellste Runden: 21

– Podestplätze: 48

– WM-Punkte: 385

– Führungsrunden: 747

– Größte WM-Erfolge: WM-Dritter 1988 und 1994

 

Wichtigste Stationen nach Ende der aktiven Karriere: Motorsportdirektor von BMW (Herbst 1998 bis September 2003), Hälfteeigentümer des Formel-1-Teams Scuderia Toro Rosso (Februar 2006 bis November 2008; in diese Ära fällt der erste GP Sieg von Sebastian Vettel als jüngster Pilot der F1-Geschichte in Monza 2008), seit 2017 Chef des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM).

 

 

 

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