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Olympiahalle Innsbruck / Thomas Böhm

Der Goldschrei mit der Kraft des Weltmeisters – Jakob Schubert / GEPA

Jessica Pilz auf dem steilen Weg zum WM-Titel / kristen-images.com

Zwei Weltmeister präsentieren sich am Rudolfsbrunnen in Innsbruck / kristen-images.com

Die ausverkaufte Olympiahalle – eine prächtige Kulisse für die Kletterstars / kristen-images.com

Jessica Pilz (rechts) beim Speedklettern / APA

Aleksandra Rudzinska – die Schnellste in der Kletterwand / APA

Dank Jessica und Jakob – die dreifachvergoldete Weltmeisterschaft

Die Kletter-Weltmeisterschaften 2018 in Innsbruck – ein Sportfest, das alle Erwartungen weit übertraf. Organisatorisch als Top-Event weltweit gelobt, sportlich ein Meilenstein für den österreichischen Kletterverband. In Zahlen ausgedrückt: 60.000 Zuseher an drei unterschiedlichen Locations und damit 50 Prozent mehr als erwartet Dreimal Gold und einmal Bronze durch Jessica Pilz und Jakob Schubert, das ist die überragende sportliche Bilanz für das heimische Kletterteam.

 

Superlative also, wohin man blickt. OK-Boss Michael Schöpf und Heiko Wilhelm, Sportdirektor im Kletterverband (KVÖ), sind – verständlich – nach dem dritten Titel durch Schubert zum Abschluss nicht mehr aus dem Schwärmen herausgekommen.

 

„So wie es begonnen hat, so hat es aufgehört. Das ist eigentlich unfassbar. Dass es so aufgegangen ist, übertrifft alle Vorstellungen, die wir im Vorfeld hatten, das ist natürlich sensationell“, meinten die beiden Hauptverantwortlichen für dieses gelungene Kapitel Tiroler Sportgeschichte.

 

Ins Gesamtbild passte, dass die Eröffnungsfeier trotz Wolkenbruch und Sturmböen nicht ins Wasser gefallen war – man hatte flexibel reagiert und den Einmarsch der Nationen verkürzt, im weiteren Verlauf der Titelkämpfe gab es dann nur gutes Wetter und gute Stimmung. Für Letzteres waren vor allem die österreichischen Kletterstars verantwortlich, die gleich zum Start für einen Paukenschlag sorgten.

 

„Wir hatten in den letzten Wochen so viel über diese Weltmeisterschaft gesprochen, immer wieder von Medaillen geträumt. Und unsere Träume sind wahr geworden“, meinten Schöpf und Wilhelm im Gleichklang. Und so durften sie schon am zweiten Tag die erste goldene Bilanz ziehen, oder anders formuliert: zweiter WM-Tag, zweiter Krimi, zweites Gold – die Fachwelt staunte, die Fans waren begeistert.

 

Die Initialzündung kam von Jessica Pilz. Die Wahltirolerin war gleich in der ersten WM-Entscheidung in einem an Spannung kaum zu überbietenden Wettkampf, dem Vorstieg-Finale, ins Top geklettert. Sie war noch dazu auf der schwierigen Route in der Innsbrucker Olympiaworld um elf Sekunden schneller als ihre große Rivalin, die Slowenin Janja Garnbret, gewesen.

 

„Mit Heimpublikum und in Österreich Gold zu gewinnen, ist noch einmal um so viel schöner. Ich kann es noch gar nicht glauben“, sagte Pilz in einer ersten Reaktion.

 

Und dann kam Jakob. Gleichsam mit letzter Kraft war Schubert der wichtigste Griff seiner Karriere gelungen, der 27-Jährige konnte sich in der mit 5000 Fans ausverkauften Olympiahalle, vor Freunden und Familie, zum Vorstieg-Weltmeister krönen. Das Drehbuch dieses Kletter-Krimis erinnerte an einen Bestseller von Bernhard Aichner; es herrschte Spannung pur bis zum Schluss.

 

Als es um alles ging, um diesen einen entscheidenden Zug, der in wenigen Augenblicken WM-Gold bringen sollte, wusste Jakob Schubert, welche Stunde es geschlagen hatte. „Auf einmal sind die Leute in der Halle noch lauter geworden. Da war mir klar, dass es jetzt zählt. Jetzt ging es um die Wurst und wohl auch um den Titel“, erinnerte sich der Tiroler an die entscheidenden Augenblicke, ehe er mit Tränen in den Augen vom Podest stieg, mit Gold dekoriert. „Das ist der emotionalste Moment meiner Sportkarriere. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder so etwas erleben werde“, ließ er seiner Freude freien Lauf.

 

Verständlich, denn nach dem Gold-Thriller mit Jessica Pilz als Siegerin hätte kaum jemand gedacht, dass es noch einmal so knapp werden könnte. Aber irren ist menschlich. Denn auch im zweiten Wettkampf sollte das bessere Halbfinale entscheiden. Im speziellen Fall waren es letztlich nicht Sekunden, sondern Zentimeter, die den Unterschied zwischen Schubert und dem ganz knapp zweitplatzierten Titelverteidiger Adam Ondra aus Tschechien ausmachten.

 

Beide hatten die schwierige Route bis zum selben Griff erreicht. Dabei hatte Schubert seinen Goldzug gar nicht vollendet, sondern war abgerutscht. „Ich habe mit Adam danach über die Stelle geredet, wo wir beide rausgeflogen sind. Er meinte, der Zug war zu schwer.Das finde ich nicht. Aber ich war einfach zu müde dafür!“, schmunzelte Schubert, der als Vorletzter in den Wettkampf gestartet war.

 

Wie auch immer – Auftakt und Ende waren von den Österreichern geprägt. Denn während Jessica Pilz im olympischen Kombinationsformat Bronze eroberte, setzte Jakob Schubert mit seinem zweiten Gold in dieser neuen Disziplin einen vielbejubelten goldenen Abschluss.

 

„Etwas Schöneres gibt es nicht. Das war jetzt wirklich noch das Sahnehäubchen drauf. Ich bin überglücklich, im Kombinationsfinale dabei gewesen zu sein, zum ersten Mal so ein Finale, und zu sehen, wie das so läuft. Ich wäre schon mit einer Medaille überglücklich gewesen, dass es gleich zu Gold langt – einfach mega!“, sagte der frischgebackene Doppelweltmeister. Die Kombination wird bei den Spielen 2020 in Tokio ihre Olympiapremiere feiern.

 

Schubert verzeichnete im Finale der besten sechs Kombinierer in seiner Zitterdisziplin Speed als Zweiter einen starken Einstieg. Mit Rang eins im Bouldern setzte sich der Innsbrucker an die Spitze. Im Vorstieg reichte ihm dann Platz zwei hinter Ondra zum Titel. Zwei Goldene bei einer WM waren bisher bei den Herren nur Ondra gelungen, 2014 im Vorstieg und Bouldern.

 

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