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Zweimal Bronze vergoldete Traum-WM in Hochfilzen

WM der Superlative / GEPA

Das spektakuläre Eröffnungs-Feuerwerk rund um die Medal
Plaza / Böhm

DJ Ötzi Gerri Friedle / Böhm

Florian Phleps (Tirol Werbung), Bettina Geisl (TVB Obfrau), LH Günther Platter, ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und Josef Margreiter bei der Eröffnung im Tirol Berg der Tirol Werbung / Böhm

Simon Eder / GEPA

Dominik Landertinger und Martin Fourcade (rechts) / GEPA

Julian Eberhard / GEPA

Die Biathlon-Fans blicken auf eine c zurück – Hochfilzen hat, begünstigt durch traumhaftes Winterwetter, faszinierende Titelkämpfe präsentiert, dem Biathlonsport ein ewiges Denkmal geschenkt. Vom ersten Tag an, mit der stimmungsvollen Eröffnung im Dorfzentrum, haben diese Weltmeisterschaften begeistert. Das sah auch der Vorstand der Internationalen Biathlon Union (IBU) so, vertreten durch Präsident Anders Besseberg, der am vorletzten WM-Tag die Titelkämpfe noch einmal Revue passieren ließ und dabei nicht mit Lob sparte.

 

Besseberg hätte für seine Bilanz wohl keine bessere Wahl treffen können als diesen historischen Samstag. Denn nur wenige Stunden nachdem der bestens gelaunte IBU-Präsident die Verantwortlichen im Pillerseetal mit der Höchstnote 20 aus dem Skispringerlager geadelt und quasi Gold für eine perfekte Organisation sowie Qualität der Wettkämpfe vergeben hatte, holte Österreichs Herren-Staffel jene heiß ersehnte Medaille, die das Glück perfekt machte. Und Bronze glänzte just an dem Tag, als 22.300 Fans für eine Hochfilzener Rekordkulisse gesorgt hatten, tatsächlich wie Gold.

 

„Die große Vielfalt an Nationen, das perfekte Wetter und die nervenaufreibenden und vor allem fairen Bewerbe zeichnen diese Weltmeisterschaft zu einem noch nie zuvor dagewesenen Ereignis der Biathlon-Geschichte aus“, sagte Besseberg. Und weiter: „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir je so eine spannende WM hatten, in der wirklich alles möglich war – seien es sowohl Sieger mit Startnummer 4 als auch mit Startnummer 96, Überraschungsgewinner wie Bailey oder das enorme mediale Interesse.“

 

Im Stadion ertönte nach jedem Schießen ein begeisterter Jubel der Fans – der lauteste, den ich je in einem Biathlon-Stadion gehört habe. Das Stadion selbst hat sich mehr als bezahlt gemacht: Die Infrastruktur in Hochfilzen ist einzigartig.“

 

Besonders erfreut zeigte sich der Präsident nicht nur über den Besucheransturm, sondern auch über das weltweite Medien-Interesse, über sensationelle TV-Quoten. Dank des ORF, der unter der Leitung von Regisseur Michael Kögler mit 170 Mitarbeitern und 49 Kameras spektakuläre Bilder rund um die Welt sandte. „In fast 60 Ländern wurde live übertragen, das sind Zahlen, die mich stolz machen, vor allem wenn man dann hört, dass in Deutschland meist über fünf Millionen Fans die Rennen vor dem TV-Gerät verfolgten“, so Besseberg.

 

Dass bei einem derartigen Großereignis nicht immer alles reibungslos verlaufen kann, hat man auch in Hochfilzen erlebt, vor allem vor dem Beginn der WM, als das Doping-Damoklesschwert über der Veranstaltung hing. Letztlich durfte aber auch OK-Direktor Franz Berger zufrieden sein. Eine perfekte Organisation, strahlendes Wetter, eine faszinierende Stimmung, tolle Zuschauerzahlen und – als Draufgabe sozusagen – die Medaille für die Staffel. „Damit wurde auch unsere jahrelange Arbeit belohnt“, freute sich der Mann, bei dem alle Fäden zusammenliefen, der im wahrsten Sinne des Wortes alles im Griff hatte.

 

Zweimal Massenstart, Traumwetter, tolle Kulisse – es war ein faszinierendes Finale dieser Weltmeisterschaft in Hochfilzen, das in die Geschichte des Biathlonsports eingehen wird. Erst setzte Laura Dahlmeier mit ihrer fünften Goldmedaille bei diesen Titelkämpfen ein Ausrufezeichen der besonderen Art, dann holte sich Simon Eder in einem dramatischen Massenstart hinter Simon Schempp und Johannes Thingnes Bö die zweite Bronzemedaille innerhalb von nur 24 Stunden. Jubel also in Deutschland und in Österreich, Jubel bei den Veranstaltern, die am – nicht nur wetterbedingt – hell strahlenden Finaltag mit 22.100 Fans noch einmal Massenbesuch verzeichneten.

 

Doch der Reihe nach – zur Weltmeisterin im Massenstart krönte sich, wie könnte es anders sein, Laura Dahlmeier. Die 23-jährige Deutsche setzte sich auch im letzten Damenrennen der internationalen Titelkämpfe durch und holte damit ihr fünftes WM-Gold in Hochfilzen. Das war, bei einer Weltmeisterschaft, bisher noch niemandem zuvor im Biathlonsport gelungen. Zur Draufgabe nahm Dahlmeier noch eine Silbermedaille mit nach Hause.

 

In einem spannenden Massenstart zeigte Dahlmeier wie auch Silbermedaillen-Gewinnerin Susan Dunklee (USA) eine makellose Schießleistung. Nach je 20 Volltreffern und einem stets wechselnden Schlagabtausch an der Spitze, setzte sich die Garmischerin im Finish mit 4,6 Sekunden Vorsprung vor der US-Amerikanerin durch. Bronze holte die Finnin Kaisa Mäkäräinen (+ 20,1 Sek.), sie hatte einmal in die Strafrunde abbiegen müssen. Für Österreichs einzige Starterin verlief der Massenstart nicht nach Wunsch. Die sonst so sichere Schützin Lisa Theresa Hauser verzeichnete fünf Fehler im Liegendschießen und vergab damit frühzeitig die Chance auf ein gutes Ergebnis.

 

Nichts für schwache Nerven war dann das Rennen der Herren. Mittendrin im Kampf um die Medaillen, statt nur dabei: die beiden Österreicher Simon Eder und Dominik Landertinger. Vor dem letzten Schießen hatte sich eine Spitzengruppe von acht Mann gebildet, quasi mit der Crème de la Crème des Biathlonsportes. Martin Fourcade, Anton Schipulin oder Einzel-Weltmeister Lowell Bailey. Und eben Landertinger sowie Eder.

 

Während Superstar Fourcade und Landertinger zweimal in die Strafrunde mussten, blieben Schempp und Eder fehlerfrei. Der Salzburger kam als Erster vom Schießstand weg. In der Loipe allerdings drehte Schempp – im Vergleich zum Vortag – diesmal den Spieß zu seinen Gunsten um. Just an jenem letzten langen Anstieg, an dem er in der Staffel im Kampf um Bronze von Landertinger abgehängt worden war, ließ Schempp diesmal Eder stehen und sicherte sich seine erste Einzel-Medaille bei einer WM. „Das ist ein großer Tag“, jubelte Schempp, während Eder auf den letzten Metern auch noch Titelverteidiger Bö passieren lassen musste.

 

Noch einmal zurück zur Staffel – am Ende standen die Deutschen Erik Lesser, Sprint-Weltmeister Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Simon Schempp mit hängenden Schultern da: mit Blech, mit Rang vier, mit dem undankbarsten Platz, den es bei einer WM geben kann: „Es fehlte das Glück“, waren sich die Favoriten einig. Aber vielleicht fehlte ihnen auch „nur“ ein Schlussläufer wie Dominik Landertinger.

 

Simon Eder hatte Dominik schon vor dem Rennen als „besten Schlussläufer der Welt“ etikettiert. Und damit Recht behalten. In einem dramatischen Finish hatte der Lokalmatador in einem spektakulären Sprintduell beim letzten steilen Anstieg vor dem Ziel dem Deutschen Schempp die entscheidenden Meter und Sekunden abgenommen. Der Kampf um Bronze war damit entschieden. Die Freude hatte schon Sekundenbruchteile nach dem Zieleinlauf erdrückende Ausmaße angenommen, als sich die Teamkollegen Julian Eberhard, Simon Eder und Daniel Mesotitsch auf den Hochfilzener warfen.

 

Ein perfektes Rennen der ÖSV-Staffel war es aber nicht. Mit einem perfekten Rennen hätte es möglicherweise Gold gegeben. Zehn Nachlader waren zu viel. Die russische Goldstaffel musste nur dreimal nachladen, die silbernen Franzosen viermal.

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