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Schlierenzauer - die neue DimensionChampions League – eine Nummer zu groß! Pierre, „the Shooter“, und Sacharuk, der Retter?
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Mit Larry Sacharuk kam – kurzfristig – der Erfolg zurück

Mit Larry Sacharuk kam – kurzfristig – der Erfolg zurück / Foto: Parigger

Tavis Hansen (Nr. 19) erzielt das 1:0 gegen Graz

Tavis Hansen (Nr. 19) erzielt das 1:0 gegen Graz / Foto: Parigger

Auweh – der HCI wurde von den Salzburger Bullen auf die Hörner genommen

Auweh – der HCI wurde von den Salzburger Bullen auf die Hörner genommen / Foto: Parigger

Pierre, „the Shooter“, und Sacharuk, der Retter?

Diesen Jahreswechsel werden Tirols Eishockey-Fans wohl lange nicht vergessen. Zunächst, im Verlauf einer langen Herbstsaison, hatte es so ausgesehen, als würden die Innsbrucker Haie die Konkurrenz gleichsam nach Belieben verputzen, unter der Regie des genialen Todd Elik wurde eine Gala nach der anderen gefeiert, so machte das Eishockey Spaß. Aber – wie jedes Jahr – fiel die Formkurve je näher Weihnachten rückte und just zum Jahreswechsel stiegen rund um die Wasserkraft Arena keine Raketen in die Luft, sondern stiegen den Fans und – natürlich auch – den HCI-Verantwortlichen quasi die Grausbirnen auf … Nach einer Pleiten-, Pech- und Pannenserie schien der Zug Richtung Play-off schon abgefahren, zum Glück gab es da noch die Grazer 99ers, die als Tabellenletzter jene Punkte abliefern sollten, mit denen die Innsbrucker sich noch einmal zurückkämpfen wollten in die Top Four. Ein Spiel der letzten Chance sozusagen für Elik und Co. Dementsprechend groß war der Druck, auch die Nervosität. Aber noch größer war das Bemühen. Über einfaches Eishockey versuchte man ins Spiel zu kommen, sich das verlorengegangene Selbstvertrauen zu erarbeiten. Keiner probierte über seinen Verhältnissen zu spielen, wie so oft in der jüngsten Vergangenheit.

 

Zunächst spielten auch die Grazer brav mit, indem sie gleich reihenweise auf die Strafbank marschierten. Und diesmal klappte das Powerplay zur Abwechslung einmal so, wie man es sich vorstellte. Beim 1:0 durch Tavis Hansen saßen gleich zwei Grazer in der Kühlbox. Glänzte da Pierre Dagenais noch als Einfädler, trat der „Shooter“ beim 2:0 – erneut in Überzahl – wieder als Vollstrecker in Erscheinung. Mit seinem achten Treffer im fünften Spiel. Der neunte folgte im Schlussdrittel zum 4:1. Davor schon hatte Carl Mallette mit dem 3:0 für das dritte Powerplay-Tor gesorgt. Als Iberer und Day Graz auf 4:3 heranbrachten, musste der angezählte HCI-Coach Alan Haworth aber plötzlich wieder um seinen Job bangen und zehn lange qualvolle Minuten bis zur erlösenden Schlusssirene erleben.

 

Die Ruhe dauerte aber nur wenige Tage – denn beim Rückspiel in Graz präsentierte der HCI einmal mehr Eishockey zum Abgewöhnen. Trotz zweier Treffer von Dagenais, der in seinem siebten Spiel im schwarzen Dress schon sein zehntes Tor erzielte, oder dem ersten Treffer von Lindner, der nach fast 900 Minuten ohne Schuss ins Schwarze endlich wieder einmal traf – innerhalb von 120 Sekunden schlitterten die Tiroler im Finish in die 4:6-Pleite, die doppelt schmerzte, weil die Rivalen um die begehrten Play-off-Plätze fleißig punkteten. Logisch, dass da die Nerven blank lagen und sich jeder einzelne aus der Haie-Organisation vor dem Gastspiel der Salzburger Bullen in der Tiwag-Arena fürchtete.

 

Es kam genau so schlimm wie befürchtet – als Todd Elik in der ominösen 13. Minute seinen Schläger vor Wut zertrümmerte und in der 21. Minute seinen Zorn an SR Bernecker abzureagieren versuchte, führten die Gäste schon mit 3:0. Der ebenfalls entnervte Torhüter Claus Dalpiaz machte seinem Ersatz Fabio Gottardis Platz, der aber von seinen Vorderleuten ähnlich schmählich in Stich gelassen wurde und nach nicht einmal 100 Sekunden erstmals den Puck aus dem Tor holen musste. Die Innsbrucker wurden von den Salzburgern vorgeführt, phasenweise genarrt. Sie fuhren den HCI-Cracks um die Ohren, konnten kombinieren wie bei einer Juxpartie. Es gab keine Gegenwehr, es war – wie die Kommentatoren der Zeitungen schrieben, fast schon mitleiderregend, wie hilflos sich die Tiroler dem Tabellenführer ergaben. Nicht einmal mit einem Mann mehr auf dem Eis kam man zu Chancen. Dass es nicht eine zweistellige Niederlage wurde, konnten die Gastgeber allein dem Gegner verdanken, der nach dem 0:5 durch Koch zwei Gänge zurückschraubte. Aber weil’s gar so leicht ging, erhöhten Trattnig und noch einmal Koch auf 0:7.

 

Ein peinlicher Ausrutscher. Der allerdings nicht ohne Folgen bleiben sollte – noch in der Nacht der Schande glühten die Drähte zwischen Innsbruck und Kanada, jeder wusste, es musste etwas geschehen, ein neuer Trainer musste her! Bei den Tirolern hatte es zuletzt wie in einem Feuchtbiotop gebrodelt und gegärt. Aber nicht nur im internen Hierarchien-Streit, nicht nur in der Dauerdiskussion um die zu feuchten Kehlen einiger Cracks war Haworth zu trocken. Er hatte sich auch taktisch so sehr in Details verbissen, dass die große Linie im HCI-Spiel sukzessive verloren gegangen war. Was immer Haworth zuletzt tat, um den Haien Biss zu geben, war mehr trotziges Verharren auf Prinzipien als Gestaltung. Deshalb musste er gehen. Nach dem 0:7 gegen Salzburg durfte er noch ein Training leiten. Danach kam, was kommen musste: Das „Pfiat di!“ Der ehemalige große Crack hatte sich als Trainer für den HCI als zu klein erwiesen.

 

Der neue Coach für den Rest der Saison stand nach zwei Telefonaten schnell fest – Larry Sacharuk! Ein alter Bekannter. In den Achtzigerjahren hatte er für den HCI verteidigt und als Verteidiger mit einem Mordshammer Tore am Fließband erzielt. Innsbrucks Neuer auf der Kommandobrücke ist – pikanterweise – der Schwager des Villach-Coachs. Und auch auf der Suche nach einem neuen Verteidiger war der HCI in diesen turbulenten Tagen fündig geworden. Sein Name: Jonas Liwing. Just zur Premiere traf Sacharuk mit seinem neuen Team auf den Villacher SV, wo Schwager Greg Holst das Zepter schwingt, und weil auch der Eishockeygott ab und zu Sinn für Kitsch hat, besiegte der HCI den regierenden Meister in Villach mit 4:3. Wie sich Innsbrucks Mannschaft dabei präsentierte, lässt im Kampf um einen Play-off-Platz wieder große Hoffnung schöpfen. Die Haie verbissen sich regelrecht in ihren Gegner, fighteten um jeden Zentimeter und ließen den Titelverteidiger bis auf wenige Minuten im letzten Drittel nie ins Spiel kommen. Vor allem die zuletzt so schwächelnde Abwehr stand bombensicher und brachte den Villacher Angriffsschwung bald zum Erliegen.

 

Trotz der Strapazen – Innsbrucks neuer Schwede kam von Stockholm via Wien und Klagenfurt erst kurz vor dem Spiel in Villach an – blieb Jonas Liwing ein ruhender Pol in der Abwehr, bewies Übersicht und Spielverständnis. Zusammen mit dem Finnen Heikkinen bot das skandinavische Verteidiger-Duo eine starke Leistung.

 

Nicht wieder zu erkennen Heimo Lindner. Sein herrlicher Treffer in der 22. Minute war eine Augenweide, ebenso wie der von Auer. Deutlich zu sehen, wie Lindner wieder Spaß am Eishockey hatte. Beim zuletzt an Ladehemmung leidenden Stürmer trat die Spielfreude wieder voll in Erscheinung. Würde es in dieser Tonart auch gegen Jesenice weiter gehen?

 

Für den HCI stand viel auf dem Spiel, war es ein „kleines Finale“. Und das ausgerechnet gegen den Angstgegner. 1:4 lautete die Saisonbilanz, in den letzten beiden Heim-Duellen gelang nicht einmal ein Tor. Dass sich das änderte, dafür sorgten Pierre Dagenais, Todd Elik und Carl Mallette: jeweils im Überzahlspiel. Die Tiroler, beflügelt durch den Sieg in Villach, konnten aber immer nur ausgleichen. Jesenice war durch den listigen Fox, durch Marcel Rodman und Razingar dreimal in Führung gegangen, hatte sich auch ohne Teufelskerl Kotyk im Tor einmal mehr als ganz unangenehmer Gegner präsentiert. Aber dass mit Coach Larry Sacharuk an der Bande ein Ruck durch die Mannschaft ging, war unübersehbar. Das begann ganz hinten bei Torhüter Claus Dalpiaz, der viel mehr Ruhe ausstrahlte als zuletzt unter Alan Haworth, seinem größten Kritiker. Sacharuk ließ auch bis zum Schluss konstant mit drei Linien spielen, brachte die dritte selbst in der Verlängerung bei vier gegen vier. So viel Mut zum Risiko musste ja mit mehr als nur einem Punkt belohnt werden. Dalpiaz erwies sich einmal mehr als Penaltykiller und Dagenais als eiskalter Torjäger. Der Kanadier verwandelte als einziger Schütze seinen Strafstoß – 4:3.

 

In Linz wollte man fortsetzen, der HCI begann auch wie aus der Pistole geschossen, mit tollem Forechecking – und nach neun Minuten stand es 3:0 für die Haie. Ein echter Blitz- start nach Toren von Dagenais, Marc Schönberger und Unterluggauer. Linz-Goalie Jürgen Penker verließ daraufhin entnervt das Eis und machte Patrick Machreich Platz.

 

Mit diesem Torhüter-Wechsel kam mehr Schwung in die Reihen der Gastgeber. Ausgerechnet die beiden Ex-Tiroler Raimund Divis und Martin Hohenberger verkürzten auf 3:2. Auch im zweiten Drittel blieben die Haie die tonangebende Mannschaft. Carl Mallette traf zum 4:2, die Tiroler hatten die Linzer jederzeit in Griff. Erst im letzten Drittel überschlugen sich dann die Ereignisse. Baumgartner gelang Sekunden nach Wiederanpfiff das 3:4 und als Ignatjevs den Ausgleich zum 4:4 erzielte, gab es einen offenen Schlagabtausch. Es ging schließlich in die Verlängerung. Da hatte der HCI noch einmal die große Chance, nachdem Ignatjevs auf die Strafbank musste. Aber die numerische Überlegenheit konnte nicht genützt werden. Im Penaltyschießen setzten sich die Hausherren mit 1:0 durch. Aber der Punkt war hochverdient, mit einem Erfolg gegen die Capitals aus Wien würden die Playoffs in Reichweite rücken.

 

Gesagt, getan! Der HCI steigerte sich, vor allem im Mitteldrittel, in einen wahren Spielrausch, zerlegte die Caps nach allen Regeln der Eishockeykunst und zelebrierten nach 60 hochklassigen Minuten und einem 8:2 Kantersieg eine emotionale Freudenfeier. Die hohen Erwartungen nach den letzten Leistungen waren speziell von einem Mann erfüllt worden: Es war eine Augenweide, Todd Elik beim Spielen zuzusehen. Aus jeder noch so aussichtslosen Situation befreite sich der HCI-Star spielerisch leicht und fand mit seinem Radarauge immer den freistehenden Mann. In dieser Tonart, so hofften die Fans, würde es weitergehen und – sie wurden nicht enttäuscht. Nach der Gala gegen Wien folgte nur zwei Tage später die nächste gegen einen weiteren Playoff-Konkurrenten, gegen Jesenice. 7:1 wurden die Slowenen aus der Wasserkraft Arena geschossen, als Mann des Abends wurde Claus Dalpiaz gefeiert, der zu Beginn die Offensive von Jesenice stoppte und damit den Triumph ermöglichte.

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